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Gesammelte Schulhumoresken

Ernst Eckstein

Ernst Eckstein

Gesammelte Schulhumoresken

Vorwort

Die vorliegende Sammlung vereinigt zum erstenmal Ernst Ecksteins sämtliche Schulhumoresken in einem Band. Einige davon, wie »Der Besuch im Karzer«, »Samuel Heinzerlings Tagebuch«, »Schulhumor« u. a., sind als Einzelbände erschienen und haben in vielen Tausenden von Exemplaren Verbreitung gefunden; andere sind aus dem Buchhandel gänzlich verschwunden oder wurden nur in Zeitschriften veröffentlicht; alle aber haben sich so zahlreiche Freunde erworben, daß in dem großen Kreise derselben zum mindesten die Sammlung sicher freudig begrüßt werden wird. Daß sie auch Widerspruch erfahren dürften, wird ihrer Verbreitung vermutlich ebensowenig schaden, wie dies bei den verschiedenen Einzelausgaben der Fall gewesen ist. Ist doch »Der Besuch im Karzer« – an einem regenschweren Herbsttage in Rom entstanden und in den »Fliegenden Blättern« zuerst veröffentlicht – bis auf den heutigen Tag eines der gelesensten deutschen Bücher geblieben, obgleich er von verknöcherten Pädagogen von jeher in Acht und Bann getan und als ein Schädling bezeichnet worden ist, geeignet, die Autorität der Lehrer und damit die in der Schule so nötige Disziplin zu untergraben.

Aber lassen sich solche, für den Wert oder Unwert der Humoresken übrigens ganz gleichgültige Behauptungen im Ernste aufrecht erhaben? Wer, der je eine Schulbank gedrückt, hat nicht mit scharfen Augen alle die kleinen Schwächen seiner Lehrer im Fluge herausgefunden und an lustigen Schülerstreichen sich erfreut? Aber hat dies alles vermocht, in Tausenden von Schülerherzen Liebe und Verehrung, Anhänglichkeit und Dankbarkeit zurückzudämmen, die tüchtige Lehrer allezeit überreich gefunden haben? So haben auch Ernst Ecksteins Schulhumoresken niemals auch nur den geringsten Schaden gestiftet oder gar mit zu der Verrohung unserer Jugend beigetragen, über die man jetzt so vielfach klagen hört. Aber sie haben manch' müdes und trübes Auge hell aufleuchten lassen in der Erinnerung an die, ach! so lange entschwundene sonnige und goldene Schülerzeit, und manches herzliche Lachen haben sie ausgelöst bei vielen, die im Ernste des Lebens das Lachen beinahe verlernt hatten. Möge ihnen dies auch in Zukunft immer gelingen, dann werden sie ihre Aufgabe auch im Sinne und nach dem Wunsche ihres Autors voll erfüllt haben.

SchГјlertypen

Das Gymnasium ist für den, der ein offenes Auge besitzt, so recht eigentlich die Schule der Menschenkenntnis. Später im bürgerlichen Leben hat man kaum je die Gelegenheit, so eingehende Charakterstudien zu machen, wie hier, wo der tägliche Verkehr und die noch mangelnde Routine des Komödiespielens die überraschendsten Blicke in die verschiedenen Individualitäten gewährt. Im Gymnasiasten, zumal im Primaner, ist das künftige Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft bereits bis auf wenige unbedeutende Retouchen vorgezeichnet. Wer in diesem aufgeschlagenen Buche zu lesen versteht, der wird jedem einzelnen schwerlich ein unrichtiges Prognostikon stellen. Selbst mit der geringen Erfahrung, die ich in Prima besaß, wußte ich mir doch von gar manchem unter meinen Kameraden ein Zukunftsbild zu entwerfen, das sich nachmals in seinen wesentlichen Zügen verwirklicht hat.

Da die Menschheit überall die gleiche ist, so wiederholen sich auch die Schülertypen mit einer fast mathematischen Regelmäßigkeit. Fassen wir die hervorragendsten etwas näher ins Auge.

Da finden wir zunächst den von seiner eigenen Tüchtigkeit mannhaft durchdrungenen Kernschüler, meist Sohn einer armen Witwe, der er durch fleißige Privatstunden einen Teil ihrer Sorgen abnimmt. Er besitzt einen lobenswerten Eifer und eine klare, ruhige Intelligenz, die hin und wieder kleine, von ihm krankhaft überschätzte Anläufe in der Richtung der Phantasie nimmt; daher er denn zuweilen den Versuch macht, die Themata des deutschen Aufsatzes novellistisch zu behandeln. Er ist sich eines tief sittlichen Ernstes bewußt und übt gegen diejenigen seiner Kameraden, über die e